Pingo

Frau Pinguin und ihr Mann lebten am Südpol. Sie lebten zusammen in einer großen Pinguin-Gemeinschaft mit vielen anderen Pinguinen. Und wie die meisten der anderen Pinguine wünschten sie sich Nachwuchs. 

Eines Tages war es so weit. Frau Pinguin legte ein Ei. Und Frau Pinguin und ihr Mann passten gut auf es auf. Sie wechselten sich ab – während der eine beim Ei blieb und es warm und geborgen hielt, ging der andere Futter holen. Oft blieb allerdings Frau Pinguin bei dem Ei. Sie liebte das kleine Etwas, und sie war nicht so gut im Fische fangen wie ihr Mann. 

Als ihr Mann wieder einmal Fische fangen war, passierte es: Frau Pinguin war gerade vom Ei aufgestanden, um sich zu drehen, da kam, keiner weiß woher, ein kleiner Stein geflogen und prallte mit voller Wucht auf das Ei. Es gab einen Knall, und danach begann das Ei zu splitten. Frau Pinguin erschrak so heftig, dass sie unglaublich laut zu schreien begann. So laut hatte sie in ihrem ganzen Leben noch nicht geschrien. Sie hatte ganz einfach so große Angst und Sorge um ihr Ei und das kleine Wesen darin.

Die Schale des Eis knackte und splitterte unter dem lauten Schreien von Frau Pinguin, und nach und nach waren die Umrisse eines kleinen Pinguinjungen zu erkennen. Als das Junge begann sich zu regen, hörte Frau Pinguin auf zu schreien, hob das Kleine behutsam aus der zerbrochenen Schale und hielt es ganz eng an ihre Brust. Das Kleine schmiegte sich an Frau Pinguin und schlief ein. Als Frau Pinguins Mann zurückkam, schlummerte das Kleine ganz friedlich auf Frau Pinguins Füßen. Und Mama und Papa nannten es Pingo.

Pingo hatte das frühe Schlüpfen gut überstanden, aber er hatte Schwierigkeiten mit lauten Geräuschen. Sobald es laut wurde, begann Pingo ganz fürchterlich zu weinen. Eine weise alte Pinguin-Dame, die Frau Pinguin dazu um Rat fragte, erklärte, dass das sicherlich von dem heftigen Schlüpf-Vorgang herrührte. Pingo verband Lärm mit dem Steinschlag und dem plötzlichen Verlust der Eischale, die ihm Geborgenheit und Schutz geboten hatte und ihm bis dahin Zuhause gewesen war.

Frau Pinguin beschloss, dass es für Pingo besser war, in einer kleineren Pinguin-Kolonie, einer kleinen Gemeinschaft zu wohnen. Sie erzählte ihrem Mann davon und schlug vor, in die Welt zu ziehen, um eine neue Gemeinschaft zu finden. Ihr Mann aber hatte seine ganze Familie, seine Freunde in der Pinguin-Kolonie. Er wollte bleiben. Frau Pinguin verstand das gut, wünschte sich aber für den kleinen Pingo und sich selbst eine kleinere Gemeinschaft und machte sich daher allein mit Pingo auf den Weg.

Nach einer langen und abenteuerlichen Reise fanden der kleine Pingo und Frau Pinguin schließlich ein wunderschönes neues Zuhause bei einem kleinen Jungen und seiner Mutter hoch im Norden. Hier leben sie seither glücklich. 

Und was Pingo auf seiner Reise in den Norden erlebte und was er alles zusammen mit dem Jungen im Norden anstellt, das erzählt eine andere Geschichte …